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Spiel mit 6 °

Aufgrund beengter Platzverhältnisse im alten Rathaus an der Lindenstraße entschied man sich, ein neues Rathaus auf dem Marktplatz in Gescher zu bauen. Das neue Rathaus wurde im Jahr 1989 eingeweiht.

Die Wahl des Marktplatzes als Standort für ein neu zu errichtendes Rathaus ermöglichte die Schaffung einer Nahtstelle zwischen dem alten Ortskern um den Bereich der Hauptstraße und den neueren Gebäuden um die Marienkirche. Das neue Zentrum sollte dabei städtebaulich und gestalterisch an den alten Ortskern angebunden werden.

Gesamtansicht des Rathausplatzes im Modell



Der Schweizer Andreas Straub vertrat die Idee, die Kunst am Bau mit der dem entstehenden Rathaus gegenüber liegenden ehemaligen Post korrespondieren zu lassen, deren Grundriss an der Josef-Willenbrink-Straße um 6° vom Grundriss des Rathauses abweicht. Das historisch gewachsene Quartier mit dem Rathaus als neuem Zentrum wird damit integraler Teil des gesamten Ortsbildes. Unterstrichen wird dieses Spiel mit 6° von einer Backsteinmauer, die die Silhouette des Rathauses darstellt und einen Übergang zum alten Dorfkern an der Inselstraße schafft.

Mauer



Ganz bewusst stellt die Mauer auch ein Verkehrshindernis dar, wie es die Stadtvertreter gefordert hatten. Der Mauer schließt sich ein Stahlkeil an, der die Absenkung der Mauer um 6° nach unten unterstreicht und gleichsam unter der Last der Backsteinmauer im Boden versinkt. An den Stahlkeil schließen sich 44 Lichtmasten des Künstlers Jan van Munster an, die ebenfalls auf das Postgebäude ausgerichtet sind und einen Übergang zum eigentlichen Marktplatz vor dem Rathaus darstellen. Besonders nachts beeindrucken die Leuchten durch ihr grünes Licht und weisen den Weg zum Marktplatz. Dieser ist, parallel zur Frontseite des Postgebäudes, mit Reihen von Steinplatten belegt, die den Platz gemeinsam mit weiteren Leuchten vom Rathausgebäude abheben und als selbstständige Raumeinheit erscheinen lassen.

Marktplatz



Der annähernd quadratische Platz stellt damit eine Verbindung zu den umgebenden Straßen und Wegen her und unterstreicht die zentrale Stellung des gesamten Ensembles. Am Rand des Marktplatzes sind drei Würfel der Künstler Ekkehard Neumann und Balduin Romberg gruppiert, die zur Eigenständigkeit des Platzes beitragen.

Würfel



Gefertigt aus Holz, Stahl und Sandstein und von einheitlicher Größe sind sie in einer gewissen Entfernung zum Rathaus platziert und setzen sich durch das Material und ihre Lage im Raum vom Rathausgebäude ab. Dem entsprechende, aber kleinere Würfel sind ebenfalls im näheren Umfeld des Rathauses wie auch im alten Ortskern gruppiert und stellen wiederum Verkehrshindernisse dar, sind aber auch als Sitzgelegenheiten gedacht.
Sämtliche künstlerischen Elemente um das Rathaus herum sind um 6° von diesem abgewendet und korrespondieren somit eher mit dem gegenüberliegenden Postgebäude sowie den dort angrenzenden sonstigen Gebäuden und den Straßen. Somit stellt das Rathaus mit seinem Vorplatz einen Übergang zwischen dem alten und dem neueren Ortsbild dar.

Verwendete Literatur: Happel, Reinhold, Spiel mit 6°, in: Stadt Gescher (Hg.), Dokumentation zum Projekt Spiel mit 6°, Gescher 1989, S. 11-19

Fotos: Jonalik, Eckhard und Kruthoff, Ludger, in: Stadt Gescher (Hg.), Dokumentation zum Projekt Spiel mit 6°, Gescher 1989